
Es steht ganz offensichtlich außer Frage, dass sich ein Referat über die Vorzüge meiner Frau an dieser Stelle verbietet, könnte ich es mir doch nie verzeihen, sie derart herablassend zu betiteln. Und was erst meine Frau dazu sagen würde.
Betrachten wir jedoch zunächst die Herkunft der Redewendung, ohne uns zu sehr mit etymologischem Fachwissen aufzuhalten. Ausgehend davon, dass bereits in der Bibel davon gesprochen wird, dass Mann und Frau „ein Fleisch“ sein sollen, klingt es recht plausibel, die Grundidee darauf zurückzuführen und ihr einen gewissen Charme zu attestieren. Allerdings wird die Aussage heute gerne von beiden Geschlechtern äußerst lauwarm und mit sagenhaft unreflektierter Selbstverständlichkeit dem ohnehin ungeneigten Auditorium um die Ohren geschmettert und solcherart zur belanglosen Oberflächlichkeit degradiert. So gesehen könnte man freilich meinen, in der Aussage wäre irgendwo an subtiler Stelle ein Charme-Surrogat versteckt.
Da man mittlerweile also mit einiger Sicherheit davon ausgehen kann, dass sich in der Formulierung, auch nicht an subtiler Stelle, ein Rest eines Charme-Surrogats versteckt hält, und sie ganz allgemein keinem Dichterfürsten ernsthaft zur Ehre gereicht hätte, sei es gestattet, den Inhalt prüfend zu betrachten, wobei ich mich vorzugsweise auf die männliche Sicht beschränken möchte.
Unweigerlich fällt als erstes ins Auge, dass nur sehr schwer vorstellbar ist, wie man eine einzelne Hälfte eines Mannes sonderlich attraktiv finden sollte, geschweige denn, wie zu entscheiden wäre, entlang welcher Achse er zerschnippelt werden müsste, um eine bessere und eine schlechtere Hälfte zu erhalten. Außerdem erscheint mir die herstellungsbedingte Undichtheit der Hälften eher als ungustiös, würden, bliebe die Körperseite entlang der Schnittachse unverputzt, doch die meisten Innereien heraus purzeln. Gut, immerhin wäre das eine passable Art, sein Innerstes nach außen zu kehren.
Doch selbst wenn das ohne größere Sauerei zu bewerkstelligen wäre, übersteigt es bei weitem meine Fantasie und meinen Hang zum masochistischen Egozentrismus, wie diese buchstäblich halbe Portion meiner Selbst mit der graziösen Erscheinung meiner Frau zu vergleichen sein sollte.
Der Ordnung halber lösen wir uns nun von rein körperlichen Aspekten der Redewendung und untersuchen sie im Hinblick auf die zerebralen Fertigkeiten. Nun, da sind Männer meistens besonders stolz darauf, sachlich, kühl und unemotional, dafür aber logisch und scharfsinnig zu handeln. Man könnte also annehmen, dass sie ihrer linken Gehirnhälfte den Vorzug geben und als die bessere wähnen, während sie von der rechten so wenig Gebrauch wie möglich machen oder sie sogar als gedankliche Gefahrengutdeponie betrachten.
Gerade jene Sensibilität, Emotionalität und Kreativität, die Männer an sich selbst nicht nur nicht vermissen, sondern deren Anwesenheit sie zutiefst erschüttern würde und für deren Verheimlichung sie alle Hebel in Bewegung setzen würden (ja an der Konjunktivierung erkennen Sie, dass es auch dem Autor nicht anders ergeht ), schätzen sie an Frauen aber ganz besonders. Möglicherweise nicht, wenn es um KFZ-Fragen geht, aber doch im Allgemeinen. Im Sinne der besseren Gehirnhälfte erhalten wir also ein Paradoxon.
Es existieren bedauerlicherweise noch weitaus schlimmere Bezeichnungen für die eigene Partnerin, unter denen „meine Gattin“ noch die beste darstellt. Und das will was heißen, weil im Mittelhochdeutschen das Wort „gaten“ zwar die nette Bedeutung „genau zusammenpassen“ hatte, allerdings auch für „vereinigen“ im durchaus konkreten Sinne stand. Daran wird man bis heute durch das gleichstämmige Verb erinnert (obwohl ich in diesem Zusammenhang die kindlichere Bezeichnung „Tun-Wort“ irgendwie treffender finde). Daher ist es kein Wunder, wenn sich exhibitionistisch unerfahrene Ehepartnerinnen nicht sonderlich daran ergötzen, in der Öffentlichkeit so bezeichnet zu werden.
Eine wirklich sehr geschmacklose Variante stellt „Meine“ dar, und es wäre weder eine unverdiente noch unerwartete Konsequenz, wenn aus dem Gebrauch dieser Unflätigkeit unversehens ein „Keine“ wird. Eines ähnliches Duktus bedient sich, wer die Dame des Herzens „meine Alte“ nennt, ein Ausdruck der nur so vor Liebe und Respekt überströmt. Tröstend ist da nur, dass sich überbordender Wanst und graumelierter Schnauzer, die von Autoren dieserart Beleidigungen gerne in Kombination mit Goldhalskette getragen werden, auch nicht gerade dazu eignen, Jugendlichkeit auszustrahlen.
Wunderbar ist auch die Bezeichnung „Lebensabschnittspartner“. Das geht zum einen locker und flauschig über die Lippen und drückt dem Partner gleichzeitig ein verliebt verspieltes Verfallsdatum auf, damit er sich erst gar nicht an diese, von augenscheinlichem Bemühen geprägte, Beziehung gewöhnt.
Ich finde ja, dass Lebensabschnittspartner ein avantgardistischer Anachronismus ist, selbst wenn sich das unlogisch anhören mag. Häufig verfügen nämlich Leute, die Lebensabschnittspartner haben auch gleich über Lebensmenschen, und nicht selten stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass diese ident sind. Richtig, wenn man keine suizidalen Grundneigungen hat, passt das nicht ganz zusammen.
Bleibt eigentlich nur mehr zu erwähnen, dass es sich wieder einmal bewahrheitet, dass Lesen bildet. Nicht umsonst bezeichnet Ephraim Kishon seine Frau immer als „die beste Ehefrau von allen“. Eine Tugend, die allen Männern gut zu Gesicht stehen würde.
Bookmarken & Teilen

